Kultur/Geschichte - Wissenswertes - Watt Platt - Wenn der Hahn kräht auf dem Mist

Wenn der Hahn kräht auf dem Mist...

Alte Wetterregeln aus dem Homburgischen..


 

Jahrhundertelang waren die Menschen in Marienhagen weitaus mehr als wir in der heutigen Zeit vom Wetter abhängig. Es war lebensnotwendig, im Sommer eine reiche Ernte einzufahren und somit Vorräte für das ganze Jahr anzulegen.

 

 

 

Die Sorge um günstiges Wetter für Saat, Wachstum und Ernte beherrschte deshalb das Denken und Handeln der Bauern.

 

 

 

 

Nach dem Morgengruß war oft die erste Frage an den Nachbarn: „Watt helste vom Wehr?“ (Was hältst du vom Wetter?)

 

 

 

Bevor der Wetterdienst Vorhersagen bekanntgab, aber auch noch in späterer Zeit, richteten sich die Bauern nach alten Wetterregeln, die meist auf guten Naturbeobachtungen beruhten. Die meisten galten als sehr zuverlässig und hatten ihre Berechtigung.


 

Die sogenannten Bauern- oder auch Wetterregeln stützen sich auf Erscheinungen in der Tier- und Pflanzenwelt, auf Wind, Wolken, Nebel, Regenbogen, Morgen- und Abendrot u. ä., andere sind mit kirchlichen Tagen verbunden, z. B. mit Lichtmess (2. Februar), Johannistag (24. Juni) oder Bartholomäustag (24. August).


 
 

 

 

Die Wetterregeln prägten sich leicht ein und waren immer volkstümlich, weil sie fast alle in mundartlicher Form, in einer bilderreichen Sprache und oft auch in gereimten Sprüchen erschienen. Etwa die Hälfte der Wetterregeln gehen auf das Verhalten der Tiere zurück. Hier eine kleine Auswahl früherer Wetterregeln:


 

 

 

„Wenn dr Späächt em Dal kackelt, chitt ett Rän, om Beerch awwer chot We’er.“ (Wenn der Specht im Tal ruf, gibt es Regen. Ruft er aber auf dem Berg, ist gutes Wetter zu erwarten.)


 

 

 

Auch die „Kampkrohen“ künden Regen an, wenn sie vor Hitze „chappen“ (gähnen). Diese Saatkrähen nisteten früher in großen Scharen auf den vielen Eichen der hofnahen „Kämpe“ (Hochwälder).


 

 

 

Allgemein bekannt sind die Schwalben als Glücksbringer und Wetterpropheten. Wenn sie hoch fliegen, gibt es gutes Wetter, bei Tiefflug jedoch Regen, weil dann die Mücken tief fliegen. Ziehen die Schwalben früh weg, sagt man: „De Schwalben seng alt fort. Jetz witt ett kalt.“ (Die Schwalben sind schon fort. Jetzt wird es kalt)


 

 

 

Bei spätem Flug in südliche Länder setzt auch der Winter spät ein. Nach der Volksmeinung muss der Kuckuck bis zum 12. oder April rufen, sonst gibt es ein schlechtes Jahr, d. h. eine schlechte Ernte.

 

 

 

 

Von den Kranichen und Graugänsen heißt es: “Wenn die Ärrekro’en em Fröhjohr kommen, chitt ett bal chot We’er. Wenn se em Häerwst kommen, witt ett bal kalt.“

 

 

 

 

Auch Hahn und Huhn bewähren sich auf verschieden Weise als Wetterpropheten. Als zutreffend bezeichnet man die Regel: „Wann dr Hahn en dr Metternäächt kräht, chitt ett Rän“ (Wenn der Hahn in der Mitternacht kräht, gibt es Regen).

 

„Wann dr Hahn kräht obett Nest, dann blieft ett We’er, wi ett es.“ (Wenn der Hahn beim Hereingehen kräht, bleibt das Wetter, wie es ist).

 

Kräht er vor Tagesanbruch, soll es anderes Wetter geben. Wenn die Hühner im Regen draußen bleiben, gibt es angeblich Dauerregen. Laufen sie jedoch „opp de Hu’ert“ (in den Hühnerstall, die Hürde), dann gibt es nur einen Schauer. Gackern die Hühner nicht, sondern machen singend Stimmen, sagt man: „Ett chitt Rän; de Hohnder sengen we’er.

 

 

 

 

Fliegende Johanniswürmchen ("Glühwürmchen") am Abend gelten als Zeichen für gutes Wetter. Wenn die „Fulstechen“ (Stechfliegen) stechen und die Mücken beißen, gilt das als Zeichen für bevorstehenden Regen oder aber bei schwülem Wetter Gewitter.

 

 

 

 

Einige wenige Wetterzeichen aus dem Pflanzenreich sind in unserer Gegend bekannt. Wenn es viele Eicheln und Nüsse gibt, soll ein harter Winter bevorstehen.

 

 

 

 

Im Frühjahr achtete man auf die Belaubung der Eichen und Eschen und zog daraus den angeblich untrüglichen Schluss: „Kommt die Eiche vor der Esche, hält der Sommer große Wäsche (Regen). Kommt die Esche vor der Eiche, hält der Sommer große Bleiche (Sonnenschein)“.

 

 

 

 

Da zum Teil Wind und Wolken wetterbestimmend sind, wurden auch daraus Wettervorzeichen abgeleitet. Der Klang der Kirchenglocken zeigt die Windrichtung und damit das kommende Wetter an.

 

 

 

Auf den Wind stützen sich folgende Wetterzeichen: „Wann sech dr Wengd lät, chitt ett Rän.“ (Wenn sich der Wind legt, gibt es Regen).

 

 

 

 

Mit Wind, Wolken und Abendrot waren die Bauern früher so gut vertraut, dass sie tags vorher mit ziemlicher Sicherheit das Wetter voraussagen und ihre Arbeit danach einrichten konnten.

 

 

 

 

Die Wolken- und Windrichtung wurde oft durch gereimte Sprüche von Rhein und Ruhr gekennzeichnet. Die bekanntesten Wetterregeln dieser Art waren: „Beschleht sich dr Rheng, dann chiddet Sonnenscheng. Beschleht sich de Ruhr, ränt ett en Wie’sen on Flur.“ (Ist nach Sonnenuntergang am Westhimmel eine Wolkenwand zu sehen, gibt es sonniges Wetter. Steht sie im Norden, ist Regen in Sicht).

 

 

 

 

„Ett seng Schöppcher; dann chiddet Dröppcher.“ (Es sind Schäfchen, dann gibt es Tröpfchen = Regen). „Ränich We’er kütt vam Rheng her; van dr rhengschen Sitte mehr äs van dr Acher.“ (Regnerisches Wetter kommt vom Rhein her; von der rheinischen Seite mehr als von der Agger).

 

 

 

 

Das Morgenrot deutet auf Regen oder Wind hin. In gereimter Sprache heißt es dann: „Morjenroet es keen Droch; ränt ett nett, dann wengt ett doch.“ (Morgenrot ist kein Trug, regnet es nicht, dann windet es doch). Abendrot verheißt dagegen gutes Wetter für den folgenden Tag: „Abendrot - schön Wetter droht“.

 

 

Die bekannteste der Wetterregeln, die sich auf einen bestimmten Tag beziehen, ist auch heute noch die Siebenschläferregel: „Wann ett opp Si’ewenschlöfer ränt, dann ränt ett noch sibben Wochen.“ (Wenn es auf Siebenschläfer (27. Juni) regnet, dann regnet es noch sieben Wochen).

 

 

 

 

Außerdem gibt es noch eine ganz besondere Bauernregel, die auch heute noch ihre Gültigkeit hat. Sie lautet:

 

 

 

„In Merjenhaan, do kräht dr Hahn,

 

do hann de Lüh keen Isenbahn!“